Die Instrumentalisierung von Energie ist zu einem der Hauptinstrumente der russischen Strategie gegen Europa geworden. Seit 2022 hat Moskau systematisch Energielieferungen als politischen Hebel genutzt.
Europäische Abhängigkeit vor 2022
Vor der Invasion war Europa stark von Russland abhängig:
- 40% des in die EU importierten Erdgases kamen aus Russland
- 27% des Öls
- 46% der Kohle
- Einige Länder (Deutschland, Italien, Österreich) hatten noch höhere Abhängigkeiten
Die Erpressungsstrategie
Nach westlichen Sanktionen hat Russland:
Gaslieferungen reduziert:
- Juni 2022: Nord Stream 1 Lieferungen auf 40% reduziert
- Juli 2022: weitere Reduzierung auf 20%
- September 2022: vollständige Abschaltung
Verwendete Vorwände:
- "Turbinenwartung" (die Turbine war in Kanada zur Reparatur)
- Technische "Öllecks"
- Sanktionen, die Lieferungen "verhindern" (falsch: Sanktionen schlossen Energie ausdrücklich aus)
Die Auswirkungen auf die Preise
Europäische Gaspreise (TTF) explodierten:
- Durchschnitt vor der Krise: €20-30/MWh
- August 2022: Spitzenwert von €350/MWh
- Rekord-Energieinflation in ganz Europa
Die europäische Reaktion
Die EU reagierte mit:
- Lieferantendiversifizierung: Algerien, Norwegen, Aserbaidschan, LNG aus USA und Katar
- Nachfragereduzierung: -15% Gasverbrauch 2022
- Volle Speicher: obligatorische 90% Füllung vor dem Winter
- Preisdeckel: Marktkorrekturmechanismus
- Beschleunigung erneuerbarer Energien: REPowerEU-Plan
Ergebnisse
Europas Abhängigkeit von russischem Gas ist zusammengebrochen:
- Italien: von 40% auf <5% (Ende 2024)
- Deutschland: von 55% auf ~10%
- EU-Durchschnitt: von 40% auf ~15%
Konsequenzen für Russland
Moskau hat seinen Hauptenergiekunden verloren. Exporte nach China kompensieren nicht die europäischen Verluste, und ermäßigte Preise reduzieren die Einnahmen. Die Energiewaffe hat sich als zweischneidiges Schwert erwiesen.